Grenzland-Tour 2019 – ein voller Erfolg!

30 Jahre ist es nun bereits wieder her, dass die Ostdeutschen Mauer und Stacheldraht eingerissen und den Weg für ein vereintes Deutschland eröffnet haben. Viel zu schnell haben die Menschen dieses Geschenk vergessen und unsere Freiheit in der Demokratie wie etwas Selbstverständliches verbucht. Grund genug für die SozRider, mit einer Grenzland-Tour im Herbst 2019 noch einmal wichtige Ereignis- und Erinnerungsorte der deutschen Teilung und der Friedlichen Revolution anzusteuern und hervorzuheben.

 

Unser erstes Basishotel war ein alter Bekannter – das Hotel “Rennsteig” im schönen Masserberg (www.hotel-rennsteig.com). Hier oben. auf dem Dach des Thüringer Waldes, hat man nicht nur Zugang zum Kurvenparadies im grünen Herzen Deutschlands. Das “Rennsteig” ist mit seiner Nähe zur früheren Grenze auch ein idealer Ausgangspunkt für eine solche Tour in die geteilte Geschichte unseres Landes. Allein die Tatsache, dass wir hier bereits zum dritten Mal Quartier bezogen haben, spricht eigentlich Bände. Das Hotel “Rennsteig” in Masserberg ist ein großzügiges Haus mit bestem Service und guter Küche. Biker können ihre Motorräder hier direkt vor der Tür oder in der Tiefgarage unterbringen. Unsere Gruppe bestand aus acht Maschinen. In Masserberg sind aber auch größere Motorradgruppen ohne Probleme am richtigen Platz. Und wer es ganz bequeme haben will und sein Bike zuhause lässt, muss hier dennoch nicht auf Motorradtouren verzichten. Der Gast im “Rennsteig” kann gleich hier im Hotel ein Motorrad leihen und sich dann mit einer 650er oder 1000er Suzuki V-Strom auf Tour begeben. Einen solchen Biker-Service haben wir bislang noch nirgends angetroffen!

Unser erstes Tourenziel war die Rhön und dort die Erinnerungsstätte Point Alpha. Hier, zwischen Geisa (Thüringen) und Rasdorf (Hessen) befand sich früher ein Beobachtungspunkt der US-Army unmittelbar am Eisernen Vorhang. Dazu gab es allen Grund, erwartete man doch im “Fulda-Gab” einen russischen Panzerdurchbruch, wenn aus dem kalten ein heißer Krieg geworden wäre. Dies wollten die Amerikaner hier so früh wie möglich erkennen und mit allen Mitteln verhindern – einschließlich atomarer Landminen in bereits vorbereiteten Straßendepots. Auf welchem Pulverfass wir alle damals gesessen haben, kann ein Besuch in Point Alpha noch heute anschaulich vermitteln. Was für ein Glück, dass diese Apokalypse nicht stattgefunden hat und eine solche Bedrohung nun längst hinter uns liegt. Dass bei uns auf der Fahrt in die Rhön aber auch der Kurvenspaß nicht zu kurz gekommen ist, versteht sich eigentlich von selbst. Ein absolutes Muss ist dabei die Kammstraße entlang des Rennsteigs. Jeder Biker, der diese herrliche Route nicht kennt, hat wirklich was verpasst. Hier noch ein Tipp: Wer direkt in der Rhön ein Biker-Hotel sucht, sollte sich einmal das Hotel “Zum Hirsch” in Römhild anschauen (www.hotel-hirsch-prediger.de). Es könnte sich lohnen.

Unser zweites Ziel auf der Grenzland-Tour musste sich dann unmittelbar mit der Mauer und der Teilung befassen, die den Menschen ab 1961 vom SED-Staat aufgezwungen wurden. Im südlichen Grenzland gibt es dafür keinen besseren Erinnerungsort als Mödlareuth. Diese Ortschaft hat sich als “Klein-Berlin” einen tragischen Namen in der Teilungsgeschichte unseres Landes gemacht – zog sich der Eiserne Vorhang doch unmittelbar durch die Mitte des kleinen Dorfes. Im Fernsehfilm “Tannbach” wurde diese Leidensgeschichte aufgegriffen und auch einem breiteren Publikum nahegebracht. Heute sind die beiden Dorfhälften längst wieder vereint. Die Gedenkstätte vermittelt mit einem Informationsfilm, zwei Ausstellungshallen und ihren Außenanlagen einen authentischen Eindruck von dieser für die Menschen so dunklen und schweren Zeit. Ein Besuch in der Gedenkstätte Mödlareuth kann deshalb sehr empfohlen werden. Unsere Tour dorthin hat darüber hinaus einige der schönsten Seiten des Thüringer Schiefergebirges erfasst. Es ging über Königsee, Bad Blankenburg, oberhalb des Saaletals hinab nach Saalfeld und an der Bleilochtalsperre vorbei. Der Rückweg auf südlichem Kurs führte uns dann auf eine herrliche Straße ins bayrische Saaletal bei Blankenstein, an Sonneberg vorbei bis zum Gebirgskamm zurück zum Basishotel. Das war auch für Touren- und Kurvenfreaks genau das Richtige.

Nach einem weiteren Tourentag bis ins herrliche Weimar haben wir dann unser erstes Basishotel verlassen. Unsere Grenzland-Tour führte uns nun in den Harz – nicht jedoch, ohne zuvor noch in Erfurt Station zu machen. Man kann an die Öffnung der Mauer vor 30 Jahren nicht erinnern, ohne dem eigentlichen Auslöser zu gedenken – der Friedlichen Revolution im Herbst 1989. Neben Plauen, Dresden und Leipzig hat auch Erfurt eine wichtige Seite im Geschichtsbuch der Herbstrevolution geschrieben. Hier haben mutige Bürger zum ersten Mal eine Stasi-Behörde besetzt und Bespitzelungsakten vor der Vernichtung bewahrt. Darüber informiert heute die Gedenkstätte in der Andreasstraße am Rande des Domplatzes. Hier, im ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnis, wurden über die Jahre bis 1989 zirka 6000 politische Häftlinge eingesperrt, nach Stasi-Methoden drangsaliert und verhört, bis sie nach ihrer Verurteilung in andere Haftanstalten verlegt wurden. Und dies war nur die U-Haft für den ehemaligen Bezirk Erfurt – einer von insgesamt 15 DDR-Bezirken! Heute befindet sich hier eine beeindruckende Gedenkstätte, die in den Ausstellungsteilen “Haft, Diktatur und Revolution” vor allem durch ihr modernes und durchdachtes Konzept überzeugt. So kann Geschichtsarbeit auch gegenüber der jungen Generation gelingen. Wir waren sehr beeindruckt und wünschen dem Team in der Andreasstraße dafür allen nur denkbaren Erfolg.

 

An dieser Stelle geht unser Dank aber noch an eine andere Adresse: an das Team der BMW-Werkstatt in der Erfurter Justus-Liebig-Straße 30. Hier hat man uns wegen eines wackligen GS-Schilds schnell und unorthodox und noch dazu kostenlos aus der Patsche geholfen. So muss echter Biker-Service aussehen – einen herzlichen Dank dafür.

 

Unser zweites Touren-Hotel war das Landhaus Schulze in Herzberg am Harz (www.landhaus-schulze.de). Das ist ein gemütliches Haus mit einer wirklich hervorragenden Küche, das auch für Biker besten Service zu bieten hat. Das hohe Verkehrsaufkommen vor der Tür nimmt man dafür gern in Kauf. Unsere Bewertung war deshalb auch hier: beide Daumen hoch!

Das letzte Ziel unserer Grenzland-Tour führte uns dann nach Norden, bis zur Gedenkstätte Deutsche Teilung in Marienborn. Hier haben wir uns in die Geheimnisse der größten DDR-Grenzübergangsstelle einführen lassen. Selbst heute, wo dieser monströse Komplex verfallen und ausgestorben wirkt, ist die in Stein, Bürokratie und Technik gegossene Hybris des eingemauerten SED-Staates hier noch unmittelbar fassbar. Der Besucher sollte sich aber unbedingt genügend Zeit nehmen und eine erläuternde Führung buchen, da sonst der Informationswert der Gedenkstätte kaum erschlossen werden kann.

Die SoziRider haben mit ihrer Grenzland-Tour ein Novum gewagt. Dreißig Jahre nach der Maueröffnung haben wir bei herrlichstem Wetter eine wunderbare sechstägige Motorrad-Tour organisiert und damit zugleich eine politische Info-Reise in die Teilungsgeschichte unseres Landes verbunden. Am Ende hatte ich 1.551 Kilometer mehr auf der Uhr. Die Resonanzen aus dem Bikerkreis auf diesen Ausflug in die Geschichte waren durchweg positiv. Wahrscheinlich haben wir damit neue Maßstäbe gesetzt. Für uns steht deshalb fest: Solche Info-Touren sollen in Zukunft einen festen Platz im Reiseangebot der SoziRider erhalten.

 

 

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